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Aus der Not heraus

FSJ-Begleittag im alternativen Wohnprojekt

Stell dir vor, du ziehst von zu Hause aus. Du ziehst in eine neue Stadt, in die du das erste Mal in deinem Leben kommst. Du findest dort aber keine Wohnung, egal wie sehr du dich auch darum bemühst. Stell dir vor, du bist in dieser Stadt, dein Studium beginnt und du hast immer noch keine Wohnung gefunden, weil es extrem an Wohnungen mangelt, obwohl genügend Häuser frei stehen. Nach tagelanger Suche findest du ein acht Quadratmeter kleines Zimmer im Keller eines Mannes. Dieser Mann, dein Vermieter, ist ziemlich schwierig und weckt dich jeden Morgen, wenn er das Gefühl hat, du schläfst zu lange. Er achtet darauf, wen du mit nach Hause bringst und macht dir strengere Vorschriften als deine Eltern. Genau das hat Steffen in den Anfangsphasen seines Studiums erlebt.  

Aber er hat sich das nicht gefallen lassen. Der Student wollte sich mit dieser Situation nicht abfinden. Deshalb tat sich Steffen mit einigen seiner Freunde zusammen und engagierte sich dafür, dass leerstehende Häuser für Wohnungen zur Verfügung gestellt werden. Mit der Art und Weise, wie sie das taten, sorgten sie damals in den Achtzigern für große Aufmerksamkeit. Sie besetzten seit Jahren leerstehende Gebäude der Uni, der Stadt, der Kirchengemeinde und der Bundeswehr. „Dabei blieben wir aber stets friedlich. Unsere Arbeit beruhte auf Verhandlungen, nicht auf Gewalt. Sobald die Polizei eingeschaltet wurde, räumten wir die Häuser“, erzählt Steffen beim FSJ-Begleittag „Das ist unsa Haus“ in Tübingen. Als sie dann nach vielen Jahren endlich eine ehemalige französische Kaserne zum Kauf angeboten bekamen, begannen Steffen und seine Kollegen sofort mit den Renovierungsarbeiten. „Insgesamt hat uns das Haus eine Millionen Euro gekostet. Die Zinsen sind aber nochmals mehr als doppelt so hoch“, schildert der Hausbesetzer das Finanzierungsproblem.

Heute leben im Haus „Wohnprojekt 009“, im französischen Viertel in Tübingen, mehr als 50 Erwachsene und Kinder. Am Anfang noch in Großraum-WGs, aber über die Jahre hat sich das Haus, zusammen mit den Einwohnern, weiterentwickelt. Heute gibt es Einzimmerwohnungen, Familienwohnungen, kooperative Wohnräume und nach wie vor eine Großraum-WG. „Jedes Wohnprojekt hat seinen eigenen Charakter. Wir nennen unseres hier liebevoll das Altenheim, weil es bei uns auch Bewohner gibt, die schon über 60 sind. In unserem Haus geht es im Vergleich zu anderen selbstverwalteten Häusern eher ruhig zu“, so Sigrun Preissing, Groß-WG-Bewohnerin und Leiterin des Begleittags.

In vielen Städten Deutschlands ist die Situation ähnlich wie in Tübingen. Wohnungen sind rar und teuer. Obwohl es genügend leerstehende Häuser gibt. Diese sind aber meist absichtlich unbewohnt, um den Mietpreis in die Höhe zu treiben oder um mit ihnen zu spekulieren, sagt Sigrun. Dagegen wollen die Hausbesetzer ankämpfen. Sogar einer der anwesenden FSJler Stefan hat schon bei einer Hausbesetzung mitgemacht: „Bei uns in Friedrichshafen steht ein Haus seit über zehn Jahren leer und wir wollten dagegen etwas tun. Wir sind mit mehr als 20 Leuten hin und haben das Haus für mehrere Wochen besetzt, bis wir von der Polizei gewalttätig entfernt wurden. Alles in allem war es aber eine gute Zeit, die ich mit meinen Freunden gemeinsam verbracht habe.“

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Das Diakonische Werk Württemberg und das diakonische Werk Baden sind Mitglieder der evangelischen Trägergruppe Freiwilligendienste (www.ev-freiwilligendienste.de). Sie führen die Freiwilligendienste auf der Grundlage von gemeinsamen Zielen und Qualitätsstandards durch, die regelmäßig überprüft und weiterentwickelt werden.
 
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