rans ans leben logo

"Die Freude am Zusammenspiel steht im Vordergrund"

 
"Stellt euch vor, ihr lauft am Strand von Rio de Janeiro entlang und hört im Hintergrund die Trommeln des brasilianischen Karnevals wummern..." Schwer auf so sommerliche Gedanken zu kommen, denn am Begleittag Trommeln auf Schloss Kapfenburg in Lauchheim herrscht tiefer Winter. Kalter Wind der rauhen Ostalb pfeift durch das mächtige Areal der Burg, als Norbert uns in die warme Stube bittet. Norbert ist Trommellehrer und bietet mit seiner Partnerin Inga seit rund zehn Jahren den Trommelkurs als Begleittage-Angebot an. Er leitet außerdem Workshops an Volkshochschulen, trommelt auf Freizeiten mit Jugendlichen und hörgeschädigten Kindern und musiziert beim "Manager-Trommeln" bei Daimler. Inga spielt in verschiedenen Gruppen und Bands, macht Afrokaribische Percussion sowie Welt- und Flamenco-Musik. 
 

Cajon, Conga, Djembe und Co

Rund 15 FSJler aus Württemberg haben sich heute dazu entschieden, für einen Tag in die Welt der Rhythmen einzutauchen. Nach einer kurzen Kennenlernrunde sucht sich jeder Teilnehmer ein Instrument aus, auf dem er oder sie das Trommeln lernt. Conga, Djembe, Basstrommeln und Cajon heißen die Instrumente. Zusammen mit weiteren kleineren Perkussionsinstrumenten wie Rasseln oder Klanghölzern stehen sie in kreisförmiger Formation bereit. Auf verschiedenen Jugendfreizeiten durfte ich selbst bereits erste Erfahrungen auf dem Cajon machen. Aber was ist das eigentlich? Ein Cajon ist eine Art Kistentrommel, die aus Peru stammt und im Klang sehr an ein Schlagzeug erinnert. Vom Begleittag Trommeln erhoffe ich mir daher, meine Kenntnisse aufzufrischen und zu erweitern.

Zu Beginn lernen wir, dass es beim Trommeln ähnlich sei wie beim Musizieren mit anderen Instrumenten. Ein Instrument - in unserem Fall die Basstrommel - gibt die Melodie vor. Alle anderen Instrumente spielen Variationen, andere kleine Melodien oder Soli. Dadurch entsteht ein großes Ganzes. Viele verschiedene Rhythmen überlagern sich und bilden so ein mehrstimmiges Stück. "In der Fachsprache nennt man das 'Polyrhythmik'", erklärt Norbert. Diese gilt vor allem als Kennzeichen für die traditionelle afrikanische Musik. Dabei kann jede einzelne Stimme auch einen eigenen Takt oder gar ein eigenes Metrum haben.
 

Rhythmus ist nicht gleich Rhythmus

Doch Rhythmus ist nicht gleich Rhythmus: Menschen aus vielen Ländern der Welt trommeln und jede Kultur hat ihren ganz eigenen Stil. Vieles hängt davon ab, wie gezählt wird. Das bedeutet, die unterschiedlichen Betonungen und Schläge auf einer Zählzeit definieren die Art des Rhythmus. Während in Europa die meisten Lieder aus Pop und Rock vom Viervierteltakt bestimmt sind, kommen uns Melodien aus Afrika oder Südamerika eher fremd vor.

Mit Südamerika verbinden wir Sonne, Lebensfreude und Gelassenheit. Als wir uns Kuba und seinem Klang widmen, kommen Urlaubsgefühle auf. In der lateinamerikanischen Musik ist der Salsa eine prägende Stilrichtung. Salsamusik und Salsatanzen sind besonders im spanisch­sprachigen Raum des amerikanischen Kontinents und der Karibik populär. Inga erklärte uns, dass die Rhythmus-Sektion einer Salsaband vor allem aus drei Instrumenten besteht: Der Tumbadora (Congas), den Bongos und den Timbales. "Der klassische Salsasound entsteht dabei aus dem Zusammenspiel "tumba-bongó". Dazu kommt ein Timbalero, der durch eine Kuhglocke ergänzt wird, die über dem Trommelpaar befestigt wird", ergänzt Norbert.
 

Tanz und Rhythmus = Bodypercussion

Weil so viel Theorie zwar interessant ist, auf Dauer aber etwas müde machen kann, hat sich Inga etwas besonderes überlegt, um uns wieder fit fürs Trommeln zu machen: Body-Percussion. Wie der Name schon sagt, versuchen wir mithilfe des eigenen Körpers - also Händen, Füßen und Fingern - einen Klang zu erzeugen. Hierbei sind die verschiedenen Zählzeiten und Betonungen wieder entscheidend. Dies kennt man zum Beispiel aus dem Flamenco, bei dem das rhythmische Klatschen und harte Aufstampfen mit dem Absatz charakteristisch ist. Nach leichten Anlaufschwierigkeiten sind irgendwann alle im groove und machen aus der Übung sogar einen kleinen eigenen Tanz.

Getanzt und getrommelt wird vor allem auch in Afrika. Während Inga zusammen mit mir und einem anderen Freiwilligen die Cajon-Gruppe bildet, ist Norbert zuständig für die Djembe. "Die Djembe ist ein traditionelles Perkussionsinstrument aus Westafrika und wird auch in Europa immer beliebter.", so der Experte. Anhand von traditioneller Rhythmen versuchen wir, uns Schritt für Schritt an das Djembespiel heranzutasten. Dazu werden uns die verschiedenen Basstrommelstimmen erklärt. Das Zusammenspiel mit den anderen, verschiedene Anschlagtechniken, Arrangements und Solospiel sind weitere Themen, mit denen wir uns im Kurs heute befassen.
 

Samba, Strand und gute Laune

Das absolute Highlight und gleichzeitiger Abschluss des Begleittages Trommeln ist die musikalische Reise nach Brasilien. Der brasilianische Samba ist ein Gesellschaftstanz im Zweivierteltakt, der sich im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte. Doch Samba ist aktueller denn je und eng verwandt mit anderen Musikrichtungen. Also geben die Cajons einen satten Hip-Hop-Beat vor, der uns aus dem Radio oder Fernsehen bekannt ist. Nach und nach steigen Djembe, Conga, Kuhglocke und Rasseln mit ein. Es wächst so ganz von allein ein Rhythmus. Norbert spielt ein beeindruckendes Solo und erzählt danach: "Bei aller Technik und Übung beim Trommeln steht dabei die Freude am Zusammenspiel im Vordergrund. Nicht ohne Grund ist dieses Gefühl damals wie heute die treibende Kraft zur Entstehung von Rhythmus und Groove."

Der pulsierende Beat des Trommelns macht glücklich und beflügelt. Ob Rhythmusexperte oder absoluter Anfänger: Jeder durfte heute mitmachen und sich einbringen. Nach einem langen Tag sind die Jugendlichen müde, aber begeistert. Manche lachen, andere lehnen sich einfach zurück und lauschen dem Rhythmus der anderen. Beim Trommeln darf man sich fallen lassen, die Finger werden warm und der kalte Winter scheint vergessen. Ich schließe meine Augen und es scheint so, als wäre ich beim Begleittag in Lauchheim dem sonnigen Strand von Rio de Janeiro heute ein kleines Stückchen näher gekommen.



Martin Granzow-Emden

Das Diakonische Werk Württemberg ist als erster Träger des Freiwilligen Sozialen Dienstes (FSJ) in Deutschland von der Agentur QUIFD („Qualität in Freiwilligendiensten“) zertifiziert worden.

Out Now:

Ihre Zukunft bei der Diakonie in Württemberg

Alles über Berufe und
Ausbildung bei der Diakonie
in Württemberg finden Sie auf der Seite
Praktikum/Ausbildung/Studium
Wenn Sie die Informationen als Broschüre haben möchten, können Sie diese hier bestellen!
Achtung! Adressen von Ausbildungseinrichtungen und Hochschulen finden Sie nur hier im Internet, nicht in der Broschüre!

Gefördert durch:

Unterstützt durch das Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg

 

 

Das Diakonische Werk Württemberg und das diakonische Werk Baden sind Mitglieder der evangelischen Trägergruppe Freiwilligendienste (www.ev-freiwilligendienste.de). Sie führen die Freiwilligendienste auf der Grundlage von gemeinsamen Zielen und Qualitätsstandards durch, die regelmäßig überprüft und weiterentwickelt werden.
 
facebook facebook