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„Hinschauen, aktiv werden und andere aufklären!“


Rio de Janeiro, 13. Juli 2014, Estádio do Maracanã: Das Finale der Fußball Weltmeisterschaft zwischen Deutschland und Argentinien läuft bereits 113 Minuten lang. Auf dem linken Flügel dribbelt André Schürrle mit dem Ball am Fuß. Mario Götze startet auf dem Weg in die Spitze. Wenige Sekunden später hebt Schürrle erst den Kopf, und dann den Ball in den Laufweg von Götze. Annahme mit der Brust, Schuss mit links, zwei Ballberührungen, die eine Nation glücklich machen. Ein Tor, ein Land im Jubel, ein Feuerwerk aus Endorphinen. Deutschland ist Weltmeister und wieder stolz darauf, seine Fahne wehen zu können.
 

Faszination, Freude, Feindschaften

Aber warum darf man eigentlich erst jetzt wieder stolz darauf sein, Deutscher zu sein, und wieso haben bis heute immer noch so viele Menschen Probleme damit? Der Begleittag '(K)eine runde Sache - Fußball zwischen Patriotismus und Nationallismus' beschäftigt sich mit genau dieser Frage. In der Jugendherberge in Tübingen betrachten wir heute gemeinsam das Spannungsfeld zwischen Fußball und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Welche menschenfeindlichen Einstellungen sind im Kontext "Fußball" besonders häufig anzutreffen? Warum ist das so, und was kann man gegen menschenverachtende Äußerungen auf den Zuschauerrängen und darüber hinaus tun?

Fußball übt auf viele Menschen eine große Faszination aus und kann sehr emotional sein. Fangesänge von den Rängen, aufwändige Choreographien der Fanszenen und Herzklopfen beim Elfmeterschießen... Wenn die eigene Mannschaft gewinnt, brechen Fans in Jubelstürme aus, bei einer Niederlage hingegen sind sie tieftraurig. Diese Identifikation mit dem eigenen Team kann enorme Kräfte freisetzen - doch sind diese immer positiv? Leider sind Schmähgesänge, Beleidigungen der gegnerischen Mannschaft und Angriffe auf Schiedsrichter inzwischen Realität in deutschen Fußballstadien. Die positiven Einstellungen gegenüber dem eigenen Team spiegeln sich häufig in feindselige Stimmungen gegenüber der gegnerischen Mannschaft. Rassistische, homophobe oder sexistische Äußerungen sind keine Seltenheit - in den Fankurven großer Bundesligavereine genauso wenig wie neben den Fußballplätzen in der Kreisklasse. 

 

„Wir sind normal und die anderen nicht“

Fußball übt auf viele Menschen eine große Faszination aus und kann sehr emotional sein. Fangesänge von den Rängen, aufwändige Choreographien der Fanszenen und Herzklopfen beim Elfmeterschießen... Wenn die eigene Mannschaft gewinnt, brechen Fans in Jubelstürme aus, bei einer Niederlage hingegen sind sie tieftraurig. Diese Identifikation mit dem eigenen Team kann enorme Kräfte freisetzen - doch sind diese immer positiv? Leider sind Schmähgesänge, Beleidigungen der gegnerischen Mannschaft und Angriffe auf Schiedsrichter inzwischen Realität in deutschen Fußballstadien. Die positiven Einstellungen gegenüber dem eigenen Team spiegeln sich häufig in feindselige Stimmungen gegenüber der gegnerischen Mannschaft. Rassistische, homophobe oder sexistische Äußerungen sind keine Seltenheit - in den Fankurven großer Bundesligavereine genauso wenig wie neben den Fußballplätzen in der Kreisklasse.

Aber was ist überhaupt der Auslöser von solchen Feindschaften, und wer erlaubt uns über den Gegner, den anderen Verein oder einzelne Spieler zu urteilen? In einer Power-Point-Präsentation lernen wir, dass vieles mit Vorurteilen beginnt. Bilder, Sprache, Medien, Erziehung und Umfeld vermitteln uns Werte und Einstellungen. Sie sagen: "Wir sind normal und die anderen nicht". So entsteht auf stupide Art und Weise eine Auf- bzw. Abwertung in unserem Denken.


"We are all monkeys!"

Eines der wohl prominentesten Opfer dieser Diskriminierung war Fußballprofi Jerôme Boateng. Als Sohn einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters wuchs er in Berlin-Charlottenburg auf. Schon früh bekam er auf und neben dem Platz zu spüren, was es heißt, anders zu sein. Aufgrund seiner Hautfarbe wurde er beschimpft und niedergemacht. Im Film "Wie im falschen Film" sehen wir, wie der Profi eindrucksvoll von seinen Erlebnissen berichtet. Seinem Halbbruder Kevin-Prince wiederfuhr Ähnliches. In einem Testspiel seines ehemaligen Verein AC Mailand wurde der Spielmacher von der ersten Minute an rassistisch beschimpft. Affenlaute, Schmähgesänge und Beleidigungen schallten von den Rängen direkt auf das Spielfeld. Dies wurde irgendwann derart heftig, dass Boateng im laufenden Spiel kurzerhand den Ball nahm, diesen wegschlug und gemeinsam mit seinen Mitspielern das Feld verließ. Ein klares Zeichen gegen Rassismus, welches weltweite Anerkennung über soziale Netzwerke erfuhr. Der Hashtag "we are all monkeys" (engl.: "Wir sind alle Affen") machte die Runde. Fans, Sportler und andere Prominente zeigten sich solidarisch mit Boateng und posteten ein Selfie von sich und einer Banane in der Hand.


 

Ausgrenzung durch Rassismus, Homophobie und Sexismus

Oft sind es nur Wenige, die ganze Massen dazu mobilisieren, aktiv an Diskrimierung teilzunehmen. Im zweiten Teil des Tages beschäftigen wir uns deshalb damit, welche bestimmten äußeren Zeichen es gibt, um diese Problemfans zu entdecken. Oft positionieren sie sich klar zu ihrer Haltung und zeigen sie offen nach außen. Durch das Tragen von speziellen Marken wie bespielsweise "Consdaple" oder "Thor Steinar" zeigen sie ihre politische Haltung deutlich nach außen. Bei offen getragener Jacke sieht man vom Schriftzug "Consdaple" nur die Buchstaben "NSDAP", was eine klare Anspielung auf den Fremdenhass, Adolf Hitler und das schreckliche Regime seiner früheren Partei ist. Diese Marken sind inzwischen in Stadien verboten. Man sieht sie jedoch immer wieder. Genauso gibt es spezielle Zahlencodes, wie beispielsweise "18" (1. und 8. Buchstabe der Initialen Hitlers) oder auch "88" ("Heil Hitler"). Andere Symbole wie zum Beispiel Keltenkreuz oder Reichsadler treten auch immer wieder in diesem Zusammenhang auf.

Ausgrenzung muss nicht zwingend mit der Hautfarbe zusammenhängen. Fußballnationalspielerin Anja Mittag wurde aufgrund ihres Geschlechts immer wieder in eine Schublade gesteckt. "Frauen können doch sowieso nicht kicken!" oder "Die sind doch alle lesbisch", waren gängige Sprüche, die sie ertragen musste. Immer wieder müssen Menschen im Beruf solche Diskriminierungen schmerzlich erfahren. Im Bewerbungsverfahren werden beispielsweise Bewerber mit ausländisch klingendem Namen anders bewertet als deutsche. Kinder mit einem Vornamen wie "Marvin" oder "Kevin" haben es in der Schule oft schwerer als andere.

 

Was kann ich tun?

In einer Gruppenarbeit sollen wir nun selbst heraus finden, wie wir uns in bestimmten Situation verhalten würden und wie nicht. Vier Gruppen haben vier verschiedene Aufgabenstellungen und sollen eine gemeinsame Lösung erarbeiten und anschließend präsentieren. Diskriminierende Äußerungen eines Trainers sowie Schmähgesänge der eigenen Fangruppe stellen die Gruppen vor eine Herausforderung. Wir versetzen uns in die Situation und überlegen, wie würde wir selbst mit damit umgehen würden? Letzter Programmpunkt des heutigen Tages ist eine Recherche. Mit Hilfe von Smartphone und Laptop sollen wir selbst herausfinden, welche Organisationen sich gegen Rassismus und Diskriminierung stark machen. Jede Gruppe sucht sich eine davon aus und präsentiert sie anschließend den anderen. "Gib Rassismus keine Chance", "Zeig Rassismus die rote Karte" oder "Löwen gegen rechts" - Die Jugendlichen stellen verschiedene Projekte vor, und ein offener Austausch zwischen den ihnen und den Referenten ensteht. Inputs und Gesprächsrunden wechseln sich dabei ab.

Fazit des heutigen Tages ist, dass jeder in seinem privaten Umfeld, seinem Verein, seinem Job oder in der Gesellschaft als klares Zeichen gegen Fremdenhass setzen kann. Durch größere Toleranz und weniger Vorurteile kann man sich klar positionieren: "Hinschauen, aktiv werden und andere aufklären!" Es wird klar, wie unsinnig es ist, andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrem Geschlecht oder ihrer Sexualität zu verurteilen. Es wird klar, dass kein Mensch besser ist als der andere und jeder eine gleiche faire und sportliche Chance verdient hat. Es wird aber auch klar, dass wir dennoch auf unser Land stolz sein dürfen. Denn kaum eine andere Nation beherrscht Multikulti inzwischen so gut wie Deutschland. Ein Land das im Sommer 2014 Weltmeister geworden ist - mit sechs Spielern, deren Vorfahren aus einem anderen Land stammen.





Martin Granzow-Emden

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