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Flott geschnippelt - oder eben auch nicht

„Welches Lebensmittelgesetz gibt es nur in Deutschland?“ Das Biergesetz? Das Honiggesetz? Oder doch das Käsegesetz? Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Begleittags „Flott geschnippelt“ haben alle Recht, denn jede der drei Antworten ist richtig. Grinsend schieben die Jungen und Mädchen ihre bunten Badeenten einen „Teich“ weiter. Die orangene Ente geht in Führung.

Ich bin mitten hinein geplatzt in die Theoriephase des Kurses, doch Monika Röger, die Leiterin, sieht es locker. Ich solle mich einfach noch dazu setzen, die Theorie dauere nicht mehr lang.

"Zucker hat tausend Namen"

 

Auf der Leinwand ist ein Joghurtbecher „Frucht auf Joghurt" zu sehen, Geschmacksrichtung Erdbeere. Die Ernährungsberaterin klärt uns darüber auf, dass sich hinter der Aufschrift „natürliches Aroma“ ein Schimmelpilz mit Geschmacksverstärker verbirgt. Entsetzt gucken sich die Jugendlichen an, damit hatte keiner gerechnet.  Auch mir wird es ganz mulmig zumute: Woher weiß ich eigentlich, was ich esse?

Das nächste Bild zeigt die Rückseite des Joghurts, auf der ein Etikett klebt. Jedes Lebensmittel muss mit einem Etikett ausgezeichnet sein, aus dem hervorgeht, was darin steckt, wann es wo produziert wurde und wer es vertreibt. „Aber woher weiß ich nun, was für ein Stoff sich hinter dem Fremdwort versteckt?“, fragt Celine*. „Das ist gar nicht so einfach, Zucker hat beispielsweise tausend Namen“, lautet die ernüchternde Antwort von Monika Röger. Resigniert studiert das Mädchen wieder das Etikett. Auch ich gucke es mir noch einmal an. Irgendwie kommen mir die Begriffe doch bekannt vor? Vage erinnere ich mich an meinen Chemieunterricht in der Schule. Als ich die Kursleiterin nach den chemischen Bezeichnungen frage, muss sie schmunzeln. Genau das ist es nämlich: Auf den Etiketten werden die chemischen Begriffe und nicht einfach „Zucker“ notiert. Folglich benennen alle Worte, die auf –ose oder –dextrin enden, einen Zucker.

 

 

"Sag mal, haben wir das Nudelwasser überhaupt gesalzen?"

 

Um elf Uhr ist es dann soweit: Wir dürfen kochen! Dachte ich bis dahin noch, dass wir ein einfaches Mittagessen kochen, werde ich spätestens jetzt eines besseren belehrt: Es gibt ein viergängiges Menü bestehend aus einer Flädlesuppe, einem Salat, Kässpätzle und einem Obstsalat mit Vanillecreme. Ich darf gemeinsam mit einer Teilnehmerin, die mich vorhin so nett angelächelt hat, die Vanillecreme und den Obstsalat machen. Sie gesteht mir, dass sie froh ist, dass der Kochkurs nur drei Tage lang ist: „Bei dem vielen leckeren Essen würde ich dauernd mehr essen als ich bräuchte.“ Ihr Beweggrund die Begleittage zu wählen war schlicht und einfach die Liebe zum Essen. Mehr Abwechslung und ein wenig mehr Inspiration erhofft sie sich vom dreitägigen Exkurs in die Ernährungswelt. Da Maria* südländischer Abstammung ist, ist ihre Hoffnung schon in Erfüllung gegangen: „Zu Hause kochen wir nicht viel von der deutschen Küche.“
Während wir uns unterhalten versuche ich die Ananas, die Maria mir hingeschoben hat, zu schneiden – so schwer kann das doch nicht sein! Ich setzte das Messer an der rauen Schale an, um den stachligen Strunk abzuschneiden. Doch irgendwie möchte das Messer nicht so wie ich will. Maria ist auf meinen kläglichen Versuche aufmerksam geworden: „Alle Messer sind hier stumpf“, erklärt sie mir lachend. Nun ebenfalls grinsend nehme ich noch einen Anlauf, diesmal mit deutlich mehr Kraft, und siehe da: Es klappt! Maria hat parallel zu meinem Kampf mit der Ananas (ganz im Sinne des Begleittages) alle anderen Früchte flott geschnippelt!

Nachdem wir auch mit der Vanillecreme fertig sind, gucke ich den anderen zu: Die Jungs, die stolz ihre Spätzle machen, zwei Mädchen, die die Pfannkuchen für die Flädle klein schneiden und Monika Röger, die den Teig für die Krapfen am Nachmittag zubereitet. Ich muss grinsen, als Michael* und Nils* auffällt, dass sie das Salz im Nudelwasser vergessen haben – kleine Pannen, die jedem im Alltag passieren.

 

 

"Die Leute trauen sich nicht abzuschmecken ... selbst beim Kochkurs für Erwachsene"

 

Kurz bevor alles fertig ist, wird es dann doch noch einmal hektisch: Wer siebt die Suppe ab? Warum sind die Kässpätzle noch nicht im Ofen? Schmeckt die Salatsoße so wirklich gut? Letztere muss die Ernährungsberaterin abschmecken, Marco* befürchtet, dass die Soße sonst nicht schmecken könnte. Das ist aber nicht der Fall: Die Salatsoße bekommt von ihr ein positives Urteil und wird über den Salat gegeben. „Die Menschen trauen sich nicht abzuschmecken … selbst beim Kochkurs für Erwachsene“, gesteht mir die Kursleiterin in einer ruhigeren Minute. Monika Röger hat schon von klein auf gern in der Küche mitgeholfen. Das Studium der Haushalts- und Ernährungswirtschaft ermöglichte es ihr schließlich, das Hobby zum Beruf zu machen. Bei ihrer Tätigkeit im Diakonieklinikum Schwäbisch Hall berät und begleitet sie im Adipositaszentrum Menschen mit ernährungsabhängigen Krankheiten.

Gemeinsam mit den anderen Freiwilligen decke ich den Tisch und schon können wir essen. Ich bin erstaunt, als ein paar der Teilnehmer sagen, dass sie noch nie eine Gemüsesuppe ohne Brühpulver oder –würfel gegessen haben. „Wenn ihr möglichst naturbelassen esst, seid ihr immer auf der sicheren Seite“, stellt die Kursleiterin fest. Ich freue mich auf die Kässpätzle. Die schmecken sogar fast ein kleines bisschen besser als die Suppe, auch wenn ich nochmal nachsalzen muss.
Obwohl ich nach den zwei Tellern schon satt bin, esse ich eine Schale von unserem Nachtisch. Die Kombination aus Vanillecreme mit abgeriebenen Zitronenschalen und frischen Früchten ist ein wirklich guter Abschluss: Genau die richtige Mischung aus frischen Früchten und der süßen Vanille. Vor allem die Ananas schmeckt nach der vielen Mühen umso besser! Ich bin jetzt papp satt und habe nicht nur gelernt, dass es in der Lebensmittelindustrie nicht nur ein paar Fallen gibt, sondern auch, dass gesundes Essen meist leichter zuzubereiten ist als man denkt. Dennoch werde ich weiterhin kein Freund von zu viel abgeriebenen Zitronenschalen sein, mögen sie noch so gesund sein!

 

 

 

*Namen von der Redaktion geändert

geschrieben von Sophie Maier

Das Diakonische Werk Württemberg ist als erster Träger des Freiwilligen Sozialen Dienstes (FSJ) in Deutschland von der Agentur QUIFD („Qualität in Freiwilligendiensten“) zertifiziert worden.

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